Wandlung als das zentrale Ereignis im Präludium der Es-Dur-Cellosuite J. S. Bachs
Wandlung oder Transsubstantiation meint im engeren Sinne die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi innerhalb des christlichen Sakramentes der Eucharistie, so wie es z.B. in der Menschenweihehandlung vollzogen wird. In einem allgemeineren Sinne bedeutet Transsubstantiation die (Wesens-)Verwandlung einer Substanz, die aber keineswegs zwingend materieller, sondern in ihrem ursprünglichen z.B. aristotelischen Sinne vor allem seelischer oder geistiger Natur ist. Die Tonart Es-Dur ist traditionell eine Tonart der Wandlung - exemplarisch sei Mozarts Zauberflöte angeführt, die keinesfalls aus Versehen in Es-Dur beginnt und endet. Im Es-Dur-Präludium der Cellosuiten Bachs ist es tatsächlich der Ton Es selber, der im Laufe des Stückes eine Wandlung erfährt und durchmacht, die ihn -nach meinem Empfinden- am Ende sehr nahe an die Wandlung des Brotes in den Leib Christi heranführt.
Dies gemeinsam ein Stück weit entdecken zu können und so vielleicht auch das Erleben der Transsubstantiation oder Wandlung durch eine weitere neue hier musikalische Perspektive zu vertiefen, wäre der Sinn der kleinen Veranstaltung.
Hölderlins Ode ‚Ermunterung‘ Ein Aufwecken der siebengliedrigen Menschennatur durch das Wort
Hölderlins Ode „Ermunterung“ beginnt niedergeschlagen, trauernd, fast resignierend und endet mit dem gefundenen, ja, wiedergefundenen erlösenden Wort.
Dabei durchläuft und erhellt sie in ihren sieben Strophen genau das, was der Geisteswissenschaftler Rudolf Steiner zweihundert Jahre später in seiner „Theosophie“ als das siebengliedrige Wesen des ganzen Menschen entwickelt und durchführt, vom physischen Leib ausgehend über das Ich in der Mitte bis zum noch weitgehend zukünftigen Geistesmenschen. Dieser Zusammenhang soll aufgezeigt und so durch Hölderlins einmaliges Wort-Kunstwerk -in Verbindung mit dem Erkenntnisinstrument Anthroposophie- der ganze siebengliedrige Mensch natürlich auch wirklich in und für uns alle so lebendig wie irgend möglich werden.
Axel Sebastian Dehmelt,
Cellist, Komponist, Autor, geboren 1965 in Frankfurt am Main, absolvierte nach erstem Cellounterricht bei Karin Münch in Steinbach im Taunus seine cellistische Ausbildung bei Prof. Alexander Molzahn an Dr. Hoch´s Konservatorium in Frankfurt (Main) und anschließend bei Prof. Wolfgang Boettcher an der Hochschule der Künste in Berlin, wo er, seit 1986 auch Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, sein Studium mit dem Konzertreifeexamen abschloss. Daneben studierte er als Gasthörer an der Musikhochschule Frankfurt (Main) Kammermusik bei Prof. Hubert Buchberger und Prof. Rainer Hoffmann und Komposition bei Prof. Gerhard Müller-Hornbach. Anregungen erhielt er daneben während des Studiums auch auf Kursen bei Sandor Végh, Boris Pergamentschikow, André Navarra, David Geringas und Anner Bylsma.
Neben seiner inzwischen etwa fünfunddreißigjährigen vielfältigen freiberuflichen Konzerttätigkeit als Cellist ist Axel Sebastian Dehmelt auch Autor eines Buches mit dem Titel „Ein Bild des Menschen in den sechs Suiten für Violoncello solo Johann Sebastian Bachs“ (Fouquè Literaturverlag, 2001). Seine Komposition „Töne unter anderen“, die im Carus-Verlag Stuttgart erschienen ist, wurde im Jahr 2002 im WDR Köln vom Artemis Quartett uraufgeführt und später vom Ensemble LaFolie (in „Achtung Aufnahme“, 2015) auch auf CD eingespielt.
1989/90 durchlief Axel Sebastian Dehmelt das anthroposophische Studienseminar bei Frank Teichmann in Stuttgart.
Im Zusammenhang mit dem 100. Todestag Franz Kafkas im Jahr 2024 hielt Axel Sebastian Dehmelt in Berlin und Hannover mehrere öffentliche Vorträge über Kafkas geistige Beziehung zu Wolfgang Amadeus Mozart.